Rezension: Tabu von Ferdinand von Schirach (Hörbuch)

Klappentext:Tabu
Sebastian von Eschburg verliert als Kind durch den Selbstmord seines Vaters den Halt. Er versucht sich durch die Kunst zu retten. Er zeigt mit seinen Fotografien und Videoinstallationen, dass Wirklichkeit und Wahrheit verschiedene Dinge sind. Es geht um Schönheit, Sex und die Einsamkeit des Menschen. Als Eschburg vorgeworfen wird, eine junge Frau getötet zu haben, übernimmt Konrad Biegler die Verteidigung. Der alte Anwalt versucht dem Künstler zu helfen – und damit sich selbst.


„[…] schlug vor, der neuen Sekretärin Blumen mitzubringen, aber er lehnte es ab. Blüten sind geöffnete Geschlechtsorgane, so etwas verschenke ich nicht, vor allem nicht an eine junge Frau“, sagte er“. (Seite 168/169)

Mein Fazit
Ich kannte bisher die Bücher ‚Schuld‘ und ‚Verbrechen‘ von Schirach, und war von Ihnen restlos begeistert.

Tabu ist anders, begann es doch eher mittelmäßig langweilig erzählend von einem kleinen Jungen, wie er aufwuchs. Auf einmal ein Zeitsprung zu Jemandem, der nach dem bekannten Strafverteidiger Biegler verlangt, weil er (angeblich) eine Frau ermordert haben soll, dessen Leiche unauffindbar ist…völlig rausgerissen aus dem vorherigen Geschehen. Ok, toleriert und weiter gelauscht, denn mich hat das Buch als Hörvariante auf dem Weg zur Ostsee begleitet.

Die Geschichte an sich ist nicht ganz uninteressant. Hat er, oder hat er nicht. Aber die kurzen und prägnanten Sätze, die eigentlich genau mein Ding sind, bauten in diesem Roman irgendwie keine Stimmung auf. Es wirkte eher wie eine Erzählung. Gefühllos und distanziert. Vielleicht wäre das Buch zu lesen anders gewesen. Aber ändern an der Story wird es nichts, die leider nur vor sich hinplätscherte.

Ich gehe mit der Erkenntnis aus dem Hörbuch, dass nicht alles so ist wie es scheint. Aber das haben wir ja bei vielen Büchern, oder?

3

Hörprobe
Sprecher: Matthias Brandt

Seiten: 256 (Hörbuch: 4 CDs, 4 Stunden und 48 Minuten)
Erscheinungsdatum: 11.09.2013
Verlag:
Piper (OSTERWOLDaudio)
ISBN: 978-3492305204 (9,99 € TB / 12,99 € Hörbuch)

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Rezension: ‚Verbrechen‘ und ‚Schuld‘ von Ferdinand von Schirach (2 Bücher)

Klappentext Verbrechen:Schirach_350
Ein angesehener, freundlicher Herr, Doktor der Medizin, erschlägt nach 40 Ehejahren seine Frau mit einer Axt. Er zerlegt sie förmlich, bevor er schließlich die Polizei informiert. Sein Geständnis ist ebenso außergewöhnlich wie seine Strafe. Ein Mann raubt eine Bank aus, und so unglaublich das klingt: Er hat seine Gründe. Gegen jede Wahrscheinlichkeit wird er von der deutschen Justiz an Leib und Seele gerettet. Eine junge Frau tötet ihren Bruder. Aus Liebe. Lauter unglaubliche Geschichten, doch sie sind wahr.

Klappentext Schuld:
Eine junge Frau wird jahrelang von ihrem Ehemann brutal misshandelt – bis er eines Tages erschlagen wird. Ein Internatsschüler wird im Namen der Illuminaten fast zu Tode gefoltert. Das Spiel eines Pärchens gerät außer Kontrolle. Doch wie kam es dazu? Nach seinem Erfolgsdebüt »Verbrechen« legt Ferdinand von Schirach einen neuen Erzählband vor, der 15 literarisch aufbereitete Gerichtsfälle versammelt. Leise, aber sehr bestimmt stellt der Berliner Strafverteidiger die Frage nach Schuld und Unschuld, nach Gut und Böse.


„In einem Strafverfahren muss niemand seine Unschuld beweisen. Niemand muss reden, um sich zu verteidigen, nur der Ankläger muss Beweise vorlegen.“ (Schuld, Seite 12)

Mein Fazit
Ein sehr bekannter Strafverteidiger, der Herr von Schirach, wie ich von einigen Juristen an der Uni Hannover erfahren habe. Seine Bücher „Verbrechen“ und „Schuld“ sind dort Pflichtlektüre und gern gesehene Abwechslung zu den (trockenen) paragrafenreichen Gesetzesbüchern.

Kurze, knackige und aussagekräftige Sätze (*i love it*), aber auch kurze Absätze machten das Lesen der Kurzgeschichten zu einem grandiosen Leseereignis. Kein Geplänkel, frei heraus, so unverblümt und unverschnörkelt. Toll.

Über die Fälle möchte ich gar nicht viel sagen, außer, dass sie sehr interessant sind und mich so manches mal mit einem Kopfschütteln zurückgelassen haben. Die Frage nach Gerechtigkeit, Schuld und angemessener Strafe stellte ich mir öfter.

Zum Beispiel wusste ich nicht, dass das Strafgericht in Berlin Moabit das größte Europas ist. Mit über 270 Richtern, 350 Staatsanwälten und ca. 300 Hauptverhandlungen pro TAG.

Zu beiden Büchern gibt es im ZDF die gleichnamige Mini-Serie, unter anderem mit Moritz Bleibtreu (Schuld), die ich mir nun mit Spannung im Hinblick auf die Umsetzung anschauen werde.

Ich danke meiner Freundin Tina, dass sie mir von den Büchern erzählt hat und sie mir direkt in die Hand drückte. Auf diesem Wege auch noch einmal alles Liebe & gute Besserung!

5

Kauflink Tb: Verbrechen
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Kauflink Tb: Schuld
Kauflink ebook: Schuld

Leseprobe Verbrechen
Seiten: 208
Erscheinungsdatum: 1. Oktober 2010 (25. Auflage)
Verlag: Piper
ISBN: 978-3492259668 (8,99 € Taschenbuch)

Leseprobe Schuld
Seiten: 208
Erscheinungsdatum: 1. März 2012 (11. Auflage)
Verlag: Piper
ISBN: 978-3492273770 (8,99 € Taschenbuch)

zum Autor
Ferdinand von Schirach, geboren 1964, arbeitet als Strafverteidiger und Schriftsteller in Berlin. Seine Storybände »Verbrechen« und »Schuld« wurden, genau wie sein erster Roman »Der Fall Collini«, zu internationalen Bestsellern. In mehr als dreißig Ländern erschienen Übersetzungen. Schirach wurde mit dem Kleist-Preis und anderen – auch internationalen – Literaturpreisen ausgezeichnet. Zuletzt veröffentlichte er im September 2013 seinen Roman »Tabu«. In seinen Essays und Reden äußert er sich regelmäßig zu großen gesellschaftspolitischen Themen.