Rezension: Wenn du mich tötest von Karen Winter

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Nach Kinlochbervie, einem Küstenort in den schottischen Highlands, verirrt sich niemand zufällig.

Deswegen sorgt der deutsche Tourist Julian im einzigen Hotel der Gegend durchaus für Aufsehen. Verdreckt, durchnässt und völlig verstört bittet der Backpacker um Hilfe. Seine Frau Laura, mit der er einige Tage am Strand der einsamen Sandwood Bay verbracht hat, ist verschwunden. Die Polizei steht vor einem Rätsel, und bald gerät Julian selbst unter Verdacht. Dann wird südlich der Bay die Leiche einer Frau angespült; nackt und kaum mehr zu identifizieren …


„Angst war ein gefährlicher Trigger. Sie wusste es, und er wusste es.“ (Seite 274)

Mein Fazit
Über die Entwicklung der Titel von Büchern staune ich mehr und mehr. Früher waren sie nicht so brutal formuliert, oder? Hießen sie da „Die Firma“, „Schweigen der Lämmer“, „Friedhof der Kuscheltiere“ oder irgendwie so ähnlich. Doch heute beinhaltet jeder dritte Thriller-Titel „töte, sterbe, Blut…“ auch die Literatur geht wohl mit der Zeit…

Nun zum Buch: kurzweilig und spannungsaufbauend. In der Psyche und der Vergangenheit von Julian wird gewurschelt und ach du je, seine Exfrau ist (auch) tot. Weiterlesen

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Rezension: Meine Seele so kalt von Clare Mackintosh

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Ein regnerischer Abend in Bristol. Der 5-jährige Jacob ist mit seiner Mutter auf dem Weg nach Hause, plötzlich reißt er sich los und stürmt auf die Straße. Das Auto, das wie aus dem Nichts erscheint und ihn erfasst, ist ebenso schnell wieder verschwunden. Für den kleinen Jungen kommt jede Hilfe zu spät.

Jenna Gray flieht vor den Ereignissen in die Einsamkeit eines walisischen Dorfes. Aber die Trauer um ihr Kind und die Erinnerungen lassen sie selbst dort nicht los. Schon bald ist sie sich sicher, dass nicht nur die Vergangenheit sie erbarmungslos verfolgt …


„Ich will auf Pause drücken, doch der Film ist gnadenlos: Immer wieder und wieder prallt der kleine Körper auf die Windschutzscheibe.“ (Seite 22)

Mein Fazit
Irreführung vom Allerfeinsten, das muss ich schon sagen. Wirklich sehr gut gemacht, liebe Autorin.

Viel kann ich zu dem Inhalt des Buches leider nicht schreiben, da ich sonst die ganze Story verrate und das Lesevergnügen nur halb so spannend wäre.

Nur so viel: Teil 1 (ca. 200 Seiten) plätschert ein wenig vor sich hin. Es wird intensiv auf die Charaktere eingegangen. Jenna (Ich-Erzählerin), die sich in einem einsamen kleinen Cottage, direkt am Strand niederlässt und versucht neu Fuß zu fassen. Sie findet am Straßenrand einen Welpen, weggeworfen in einer Mülltüte und nimmt ihn bei sich auf. Kommissar Ray, der mit den typischen Problemen einer Polizistenfamilie kämpft und merkt, dass die neue Kollegin ihn emotional doch mehr berührt als erlaubt. Und der Fall des überfahrenen kleinen Jacobs droht ad acta gelegt zu werden.

Ab Teil 2 geht’s erst so richtig los. Hier wird die Ich- zur Du-Perspektive. Mal ganz anders aber intensiv. Knallhart konfrontiert mit Psychoterror, Unterdrückung und würdelosen Spielchen. Geht man so mit einem Menschen um?

Als ich die Wahrheit schließlich erkenne, fühlt sich das an, als hätte mir jemand ein Messer in den Leib gerammt.“ (Seite 452)

Meine Seele so kalt ist Clare Mackintosh‘ erster Roman. Bitte schnellen Nachschub liefern, denn das Buch hat mich gefesselt, ist ausgeklügelt und schreit nach mehr.

Foto: Model Henri blickt von den Dünen Dänemarks (Søndervig) zur Nordsee, entspannt und den Wind um die Nase wehend. So stelle ich mir die einsamen Spaziergänge von Jenna und ihrem Hund vor.

4480 Seiten
Verlag: Bastei Lübbe
ISBN: 978-3-404-17292-4
Ersterscheinung: 14.01.2016

Clare-mackintoshInterview mit Clare Mackintosh

Rezension: Während du stirbst von Tammy Cohen

Klappentext:Cohen während

„Sehr wahrscheinlich werde ich TOT sein, bevor Sie das hier zu Ende gelesen haben.“

Drei Dinge gibt es über Jessica Gold zu wissen: Sie ist neunundzwanzig Jahre alt, sie hat eine Knopfphobie, und sie wurde entführt. Von einem Fremden, der sie zwölf Tage lang in seiner Wohnung gefangen hält, sie mit perfiden Grausamkeiten quält, sie angekettet in einer Hundehütte am Fuß seines Bettes schlafen lässt. Und jeden Tag überreicht er seinem Opfer ein Geschenk – eines grausamer als das nächste –, bis Jessica am zwölften Tag sicher weiß: Der Mann wird sie töten. Doch Jessica hat ein Geheimnis, von dem niemand etwas ahnt …


„Auf der Vorderseite war eine Plakette mit einer geschwungenen goldenen Inschrift angebracht. Eine Urne.

RIP Jessica Gold
Geboren am 17. September 1985
Gestorben am 5. Januar 2015″
(Seite 234)

Mein Fazit
Ausfallende Fingernägel und büschelweise Haare. Hautausschlag am ganzen Körper. Nervenschmerzen bis zur Erschöpfung. Kraftlos, müde und am Ende. Alles Zeichen einer Vergiftung der fiesesten Art.

Das über 12 Tage kontinuierlich zugeführt, zudem eingesperrt und angekettet, wünscht sich keiner zu Weihnachten. Und dazu Geschenke, o wie fein. Doch nicht wenn sie die perfide Geschichte des Fremden erzählen, in dessen Fängen du dich befindest und keinen Ausweg hast. O du fröhliche…

Kim, ermittelnde Polizistin, zweifache Mutter kleiner Kinder, ein aufstrebender Stern am Polizeihimmel. Doch schwierig zu meistern mit Schichtdienst, Erfolgsdruck und sich als Frau beweisen zu wollen. Ihre Ehe am Ende. Entscheidung steht aus – Karriere oder Familienleben?

Eine Wendung der Extraklasse ist hier inklusive. Spannungsgeladen mehr im ersten Teil, danach etwas plätschernd, aber nicht weniger interessant. Knopfphobie? Eine Erklärung gab es leider nicht :-(

Der Sprachstil konnte mich überzeugen, einfach fürs Auge zu erfassen, die Seiten fliegen nur so dahin. Zwei Erzählperspektiven runden das ganze Buch ab. Leseempfehlung erteilt.

4
Kauflink Taschenbuch
Kauflink ebook & Leseprobe

Seiten: 412
Erscheinungsdatum: 16. November 2015
Verlag:
Blanvalet
ISBN: 978-3-7341-0219-6 (€ 9,99)

Interview mit Tammy Cohen

Rezension: Schatteninsel von Marko Hautala

Klappentext:wpid-20151012_163325-1.jpg
Es scheint prächtig zu laufen in Jennis und Aarons Ehe. Aaron ist ein erfolgreicher Politiker, seine junge Ehefrau hat in ihrem aufgeweckten kleinen Sohn Miro ihre Lebensaufgabe gefunden. Da erhalten sie eine Einladung von Aarons erwachsenem Sohn Markus, einem Historiker, der, seit er bei einem Autounfall eine schwere Gehirnverletzung davongetragen hat, zurückgezogen auf einer einsamen Insel lebt.Die Zusammenkunft ist die letzte Chance auf Aussöhnung, denn Jenni war früher Markus’ Freundin, und die Heirat mit seinem Vater hat tiefe Gräben in die Familie gerissen. Von Anfang an steht das Familientreffen unter einem unheilvollen Stern. Zu spät erkennen Jenni und Aaron, in welcher Gefahr sie schweben …


„So spricht die Stimme des weltlichen Weisen, die noch prahlt und nicht verstummt, ehe die Flammen der Hölle -.“ (Seite 280)

Mein Fazit
Der Klappentext klingt wie: uhh ich könnte mich gruseln; was da wohl los ist auf der einsamen Insel. Fehlanzeige. Durchhalten und zwingen weiterzulesen sind eher angesagt. Denn die Geschichte zog sich und Spannung ist für mich etwas anderes. Ein Psychothriller ist das Buch meiner Meinung nicht.

Die Geschichte wird aus zwei Perspektiven erzählt, heute und 1697, wobei der Part von damals nicht so meins war. Ich fand es etwas überzogen, zu abstrus. Feuer. Viel Wasser. Tote werden lebendig, na gut, Geschichte oder Aberglaube eben.

Die Familienbeziehungen hätten an sich sehr spannend und interessant sein können, doch ob Aaron jetzt mit Jenni, die früher mit Markus und nun aber mit Ina und Lisa, welche die Mutter von Markus und Ina die Schwester von Jenni ist…ohjee. Alles etwas öde und trist.

Die eigentliche Story um den Sohn von Aaron und Jenni scheinen da nur Tropfen auf einem heißen Stein zu sein. Ein Kuss zwischen Markus und Jenni, der nach Haselnuss und Vanilleschote schmeckte, machen Lust auf einen gemütlichen Latte Macchiato mit dieser Geschmacksrichtung, aber nicht auf dieses Buch.

Im Großen und Ganzen war es einfach nicht mein Buch – aus den Augen aus dem Sinn. Schade.

2

 

Kauflink TB & Leseprobe: Schatteninsel
Kauflink ebook: Schatteninsel

Seiten: 304
Erscheinungsdatum: 01.03.2013
Verlag:
dtv
ISBN: 978-3-423-21426-1 (€ 9,95 Taschenbuch)

Rezension: Das Lächeln des Bösen von Petra Busch

Klappentext:Busch

Nina Bach, 28, chaotischer Freigeist und von ihrer Familie verstoßen, ist schockiert: Ihre ältere Schwester Frauke, eine erfolgreiche Chirurgin, hat sich das Leben genommen – und sich vor dem Suizid offenbar selbst die Haut des Unterarms abgezogen. Nina hat Frauke gehasst. Doch Selbstmord hält sie für ausgeschlossen und beginnt nachzuforschen. Der zuständige Rechtsmediziner Emil Koswig will ihr nicht helfen. Bis Nina entdeckt, dass auch Koswigs Ehefrau sich selbst getötet und davor ein Auge herausgerissen hat. Gemeinsam suchen sie nach dem Hintergrund für die entsetzlichen Taten, und Nina verliebt sich dabei in den charmanten Arzt. Als die dritte Selbstmörderin auf seinem Obduktionstisch liegt, begreift Nina, dass sie Nummer vier sein soll. Doch nicht einmal Koswig glaubt ihr …


Mein Fazit
„Das war’s mit uns beiden. Du wirst mich nicht länger beschäftigen. Du nicht! Sobald die letzte Schaufel Erde auf deinen Sarg fällt, bin ich weg. Und es hat dich nie gegeben. Nie!“ (S. 49)

Was für eine irreführender Psychothriller.

Die mir gleich zu Beginn sympathische Protoganostin namens Nina, schenkt Hilfsbedürftigen (einem Todgeweihten, einer querschnittsgelähmten alten Dame) oder auch einem einsamen Koch wohltuende Nähe in Form von Streicheleinheiten, Sex und jegliche Form von Kommunikation, womit sie sich finanziell über Wasser hält. Für ihre Schwester Frauke hat sie jedoch keine Liebe übrig, nur Hass. Warum? Nennen wir es Frauenaustausch seitens eines Mannes in früherer Kindheit. Und nun ist Frauke tot. Selbstmord?

Emil, forensischer Pathologe, alleinerziehender Vater einer 1-jährigen Tochter, speziell, unnahbar und schläft mit Psychopharmaka intus auf dem Grab seiner verstorbenen Frau. Bedient sich dem Kindermädchen, wenn es gerade mal passt oder fährt zum Abschalten mit Inlinern um den See.

Irreführende Kapitel gefüllt mit den Gedanken und Gefühlen des (scheinbar?) taubblinden Mörders lockten mich auf eine falsche Fährte. Gut so, denn so überraschter war ich beim weiteren Umblättern der nicht zur Ruhe kommenden Seiten.

Die Story macht einen ganz kurzen Schlenker zu Jojo Moyes‘ „Ein ganzes halbes Jahr“-Thema (Sterbehilfe und Disignitas), ein für mich rührender Lesemoment.

Pathologisches Lügen, Traumata, Kühlräume und Verlustängste sind in diesem Buch richtungsweisende Worte. Der Sprachstil war flüssig und einfach zu lesen – gefiel mir sehr gut. Für mich ein Pageturner, denn wer mit wem und was wieso und warum waren gut konstruiert. Ich würde gern wieder einen Psychothriller von Frau Busch lesen.

5

Kauflink TB: Das Lächeln des Bösen
Kauflink ebook: Das Lächeln des Bösen

Leseprobe
Seiten: 448
Erscheinungsdatum: 02.03.2015
Verlag: Knaur
ISBN: 978-3-426-51548-8 (9,99 €)

Rezension: Ohne jeden Zweifel von Tom Rob Smith

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Für Daniel ist die Nachricht ein Schock: Seine Mutter, die seit Kurzem mit ihrem Mann in Schweden lebt, wurde in die Psychiatrie eingeliefert. Tilde leide unter Wahnvorstellungen, behauptet Daniels Vater. Doch Tilde selbst, die aus Schweden zu ihrem Sohn nach London flieht, erzählt eine ganz andere Geschichte. Eine von vertuschten Verbrechen in einer eingeschworenen kleinen Gemeinschaft und vom Verschwinden einer jungen Frau. Doch niemand will ihr glauben. Nun ist Daniel ihre letzte Hoffnung.


„[…] dass die Geheimnistuerei und das Leugnen psychischer Probleme genauso zerstörerisch und gefährlich sind wie die Krankheit selbst.“

Mein Fazit
Würdest du deiner Mutter glauben, wenn sie mit einer Geschichte zu dir kommt, die unter anderem deinen Vater als bösen Menschen bezeichnet, der sie unbedingt zu Menschen mit nach hinten geschnallten weißen Westen sperren will?

Schweden. Die 16-jährige Mia, adoptiert und beim einflussreichen Farmer Hakan und seiner Frau lebend, soll einem Verbrechen zum Opfer gefallen sein. Tilde, Daniels Mutter, sammelt Beweise (Fotos, Zeitungsartikel, Häkeldeckchen, Trolle) und führt Tagebuch über die Geschehnisse in dem Dorf. Mit diesem Sammelsurium reist sie voller Angst und Panik, zu ihrem Sohn Daniel nach London, denn ihre Verfolger sind ihr bereits auf den Fersen.

Paranoide Gedanken, Vorstellungen und Einbildung. Die Grenze zwischen Wahn, Fantasie und Realität. Wo liegt, beginnt oder endet sie?

Spannung findet man hier genauso wenig wie an einer defekten Steckdose. Aber ich habe sie auch nicht gesucht, denn von Anfang an war für mich klar, dass diese Story auch ohne Spannung gut auskommt.

Das Cover finde ich sehr ansprechend. Polaroidbilder aneinander gereiht, die die schwedische Natur mit ihren einsamen Häusern, Höfen und Farmen widerspiegelt. Genau passend zur Story. Der Originaltitel lautet übrigens ‚The Farm‘, der deutsche: Ohne jeden Zweifel – wie unterschiedlich die Übersetzung doch sein kann.

Der Schreibstil und die Wortwahl finde ich stimmig und gelungen. Am Ende des Buches gibt uns Herr Smith noch einen kleinen Einblick in sein Privatleben. Sympathisch, wie ich finde.

Von Tom Rob Smith habe ich vor einigen Jahren „Kind 44“ gelesen, und war da schon von ihm begeistert. Mit Freude habe ich gesehen, dass es auch verfilmt wurde und der Film diesen Sommer in unseren Kinos anläuft.

Wissen Sie eigentlich was ein „Sandwichkind“ ist? Ich bis zu diesem Buch auch nicht. Lesen Sie es doch, und finden es heraus :-)

4

Kauflink Taschenbuch: Ohne jeden Zweifel
Kauflink ebook:Ohne jeden Zweifel

Leseprobe
Titel:
Ohne jeden Zweifel
Autor: Tom Rob Smith
Seiten: 398
Erscheinungsdatum: 20. Oktober 2014
Verlag:
Goldmann
ISBN: 978-3-442-47504-9 (€ 9,99)