Rezension: Still von Zoran Drvenkar

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Wenn die Seen schweigen, kommt der stille Tod. Ein Mann, der seine Tochter sucht und dabei seine Identität verliert. Ein Mädchen, das seit sechs Jahren reglos aus dem Fenster schaut und darauf wartet, dass ihr jemand den Schlüssel zu ihrer Erinnerung bringt. Vier Männer und eine Mission, die aus Hunger und Disziplin besteht und keine Opfer scheut. Ein Winter in Deutschland, ein See im Wald und Schatten, die sich unter dem Eis bewegen.


„Liebe ist, wenn du die bedeutenden Momente deines Lebens mit einem Messer aus deiner Erinnerung schneidest, mit Benzin übergießt und anzündest.“ (Seite 57)

Mein Fazit
Ein Buch mit wenigen Worten auf dem Papier und doch so vielaussagend. Denn der Autor braucht nicht vieler Worte um ein Gedankenchaos und bedrückende Vorstellungskraft in einem auszulösen.

Jäger und Beute. Kleine, junge Kindergejagte.
Vier Männer, die meinen, die Kinder dieser Welt gehören ihnen.
Ein verzweifelter Vater auf der schier endlosen Suche nach seiner vor Jahren entführten Tochter.
Eine kleine Kinderseele, gefangen in ihren Erinnerungen in einem tristen Zimmer mit starrem Blick aus dem Fenster. Sie schweigt. Sie schläft unter dem Bett. – Es zerreißt einem das Herz. Weiterlesen

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Rezension: Racheherbst von Andreas Gruber (Band 2)

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Unter einer Leipziger Brücke wird die verstümmelte Leiche einer jungen Frau angespült. Walter Pulaski, zynischer Ermittler bei der Polizei, merkt schnell, dass der Mord an der Prostituierten Natalie bei seinen Kollegen nicht die höchste Priorität genießt. Er recherchiert auf eigene Faust – an seiner Seite Natalies Mutter Mikaela, die um jeden Preis den Tod ihrer Tochter rächen will. Gemeinsam stoßen sie auf die blutige Fährte eines Serienmörders, die sich über Prag und Passau bis nach Wien zieht. Dort hat die junge Anwältin Evelyn Meyers gerade ihren ersten eigenen Fall als Strafverteidigerin übernommen. Es geht um einen brutalen Frauenmord – und eine fatale Fehleinschätzung lässt Evelyn um ein Haar selbst zum nächsten Opfer werden …


„Skorpione. Bei Tageslicht verkrochen sie sich und blieben mystisch im Verborgenen, aber nachts kamen sie heraus. Sie waren nur bei Dunkelheit zu sehen – wie auf seinem Körper.“ (Seite 221)

Mein Fazit
Ich wusste gar nicht, dass es Tätowierungen gibt, die man bei Tageslicht nicht sieht, im Dunkeln jedoch leuchten. Das Rezept dazu gibt es hier (im Buch): Menschenblut, Antigerinnungshemmer, Phospor und Tätowierfarbe…alles gemischt, abrakadabra und ab zum Tätowierer deines Vertrauens. Das dafür jedoch einige Menschen sterben müssen, ist dann nicht mehr so originell. Weiterlesen

Rezension: Pretty Girls von Karin Slaughter

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März 1991. Nach einer Party kehrt die 19-jährige Julia nicht nach Hause zurück. Die eher halbherzig geführten Ermittlungen laufen ins Leere. Eine Leiche wird nie gefunden. Weder die Eltern noch die beiden Schwestern der Vermissten werden je mit dem Verlust fertig. Vierundzwanzig Jahre später erschüttert eine brutale Mordserie den amerikanischen Bundesstaat Georgia.

Und die frisch verwitwete Claire ist vollkommen verstört, als sie im Nachlass ihres verstorbenen Mannes brutales Filmmaterial findet, in dem Menschen ganz offensichtlich vor der Kamera auf grausame Weise ermordet werden. Eines der Opfer glaubt sie zu erkennen. Doch was hatte ihr verstorbener Mann damit zu tun? Wer war der Mensch wirklich, den sie über zwanzig Jahre zu kennen glaubte? Claire begibt sich auf eine lebensgefährliche Spurensuche, die sie immer dichter an eine unfassbare Wahrheit führt. Und an den eigenen Abgrund…


„Es gibt etwas, das nennt sich das  Gesetz der wahrhaft großen Zahlen. Wenn die Anzahl der Stichproben hoch genug ist, wird jede Scheußlichkeit mit Sicherheit passieren.“ (Seite 109)

Mein Fazit
Eine sehr gut durchdachte Geschichte, bei der ich mitten in der 1. Reihe saß. Alle Charaktere waren für mich unglaublich lebendig (auch wenn eigentlich schon tot) und zum anfassen nah.

Drei Perspektiven. Hochemotional die des Vaters. Naiv und gutgläubig aus Sicht von Claire, die eine grausige Entdeckung macht. Ironisch und abgeklärt die von Lydia, der älteren Schwester.

Sie arbeitete mit Tieren. Es war schwer, glamourös auszusehen, wenn man gerade die Analdrüsen eines Dackels ausgedrückt hatte. (Seite 25)

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Rezension: Sie nannten mich „Es“ von Dave Pelzer

KlappentextEs:
Das Trauma einer Kindheit: Dave wird von der eigenen Mutter gequält und mißhandelt. Von blauen Flecken übersät und halb verhungert, fällt der Junge auf, weil er Mitschülern das Pausenbrot stiehlt. Bis seine Lehrer es wagen, gegen die Mutter einzuschreiten, vergehen Jahre. Es gelingt ihm, sich aus der Hölle zu befreien. Ein erschütternder Bericht, geschildert aus der Perspektive des kleinen Jungen, der uns alle mit der Frage konfrontiert, wie lange man die Augen vor elterlicher Gewalt verschließen darf.


„Du hast mein Leben zur Hölle gemacht…jetzt ist es an der Zeit, dass ich dir zeige, was die Hölle ist, keifte sie.“ (Seite 27)

Mein Fazit
Das Buch ist bereits aus dem Jahr 2000, aber nicht weniger wert ihm Beachtung zu schenken. Denn mehr denn je ist Kindesmisshandlung ein so großes Thema in unserer „ach so heilen Welt“.

Stundenlang in der eiskalten Badewanne liegen zu müssen, sein eigenes Erbrochenes zu essen, da Dave sonst verhungern würde, Zeitungspapier in der Garage seine kuschlige Bettdecke ersetzt – sind nur ein kleiner Auszug der Folterungen seiner kranken sadistischen Mutter.

Ich war müde und hakte einen Tag auf dieser erbärmlichen Welt nach dem anderen einfach nur noch ab.“ (Seite 81)

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Rezension: Die Zucht von Andreas Winkelmann

KlappentextZucht.
Nur fünf Minuten hat Helga Schwabe ihren Sohn aus den Augen gelassen. Einen unaufmerksamen Moment lang. Und in diesem Moment ist er verschwunden.
Als fielen Hauptkommissar Henry Conroy die Ermittlungen in diesem Fall mutmaßlicher Kindesentführung nicht schon schwer genug, muss er sich auch noch mit einer neuen Kollegin herumschlagen. Vorlaut, frech, selbstbestimmt – das ist Manuela Sperling. Aber sie hat einen guten Riecher. Und bald stoßen die beiden auf eine Spur, die zu einem einsamen, verfallenen Gehöft im Niemandsland an der Grenze zu Tschechien führt, auf dem illegal Hunde gezüchtet werden…


„Menschen liebten Macht, und wer sonst keine hatte, der übte sie eben über Tiere aus. Das war simpel und feige, im Sinne der Tierquälerei aber effizient und befriedigend“. (Seite 33)

Mein Fazit
Wenn Hunde, die aussehen wie ein Wollknäuel – kuschlig und süß, auf Menschenfleisch abgerichtet sind, bekommen die Worte „der will doch nur spielen“ einen ganz anderen Beigeschmack.

Kommissar Conroy ein Stinkstiefel, der mit sich und seiner Umwelt unzufrieden ist. Seine neue Kollegin Frau Sperling tickt ganz nach meinem Geschmack, direkt, offen und ehrlich, nennt sie Dinge beim Namen ohne Umschweife.

Tierschutz ist für mich eine große Herzensangelegenheit. Welpenhandel aus dem Ausland somit ein absolutes No Go. Aber sie sollen doch klein, knuffig und süß sein, natürlich nichts kosten und gesund sind sie selbstverständlich auch! Während unsere Tierheime voll sind mit traurig guckenden Braunäuglein, aber nein…billig müssen sie sein. Ein wunder Punkt, den der Autor bei mir getroffen hat.
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Rezension: ‚Verbrechen‘ und ‚Schuld‘ von Ferdinand von Schirach (2 Bücher)

Klappentext Verbrechen:Schirach_350
Ein angesehener, freundlicher Herr, Doktor der Medizin, erschlägt nach 40 Ehejahren seine Frau mit einer Axt. Er zerlegt sie förmlich, bevor er schließlich die Polizei informiert. Sein Geständnis ist ebenso außergewöhnlich wie seine Strafe. Ein Mann raubt eine Bank aus, und so unglaublich das klingt: Er hat seine Gründe. Gegen jede Wahrscheinlichkeit wird er von der deutschen Justiz an Leib und Seele gerettet. Eine junge Frau tötet ihren Bruder. Aus Liebe. Lauter unglaubliche Geschichten, doch sie sind wahr.

Klappentext Schuld:
Eine junge Frau wird jahrelang von ihrem Ehemann brutal misshandelt – bis er eines Tages erschlagen wird. Ein Internatsschüler wird im Namen der Illuminaten fast zu Tode gefoltert. Das Spiel eines Pärchens gerät außer Kontrolle. Doch wie kam es dazu? Nach seinem Erfolgsdebüt »Verbrechen« legt Ferdinand von Schirach einen neuen Erzählband vor, der 15 literarisch aufbereitete Gerichtsfälle versammelt. Leise, aber sehr bestimmt stellt der Berliner Strafverteidiger die Frage nach Schuld und Unschuld, nach Gut und Böse.


„In einem Strafverfahren muss niemand seine Unschuld beweisen. Niemand muss reden, um sich zu verteidigen, nur der Ankläger muss Beweise vorlegen.“ (Schuld, Seite 12)

Mein Fazit
Ein sehr bekannter Strafverteidiger, der Herr von Schirach, wie ich von einigen Juristen an der Uni Hannover erfahren habe. Seine Bücher „Verbrechen“ und „Schuld“ sind dort Pflichtlektüre und gern gesehene Abwechslung zu den (trockenen) paragrafenreichen Gesetzesbüchern.

Kurze, knackige und aussagekräftige Sätze (*i love it*), aber auch kurze Absätze machten das Lesen der Kurzgeschichten zu einem grandiosen Leseereignis. Kein Geplänkel, frei heraus, so unverblümt und unverschnörkelt. Toll.

Über die Fälle möchte ich gar nicht viel sagen, außer, dass sie sehr interessant sind und mich so manches mal mit einem Kopfschütteln zurückgelassen haben. Die Frage nach Gerechtigkeit, Schuld und angemessener Strafe stellte ich mir öfter.

Zum Beispiel wusste ich nicht, dass das Strafgericht in Berlin Moabit das größte Europas ist. Mit über 270 Richtern, 350 Staatsanwälten und ca. 300 Hauptverhandlungen pro TAG.

Zu beiden Büchern gibt es im ZDF die gleichnamige Mini-Serie, unter anderem mit Moritz Bleibtreu (Schuld), die ich mir nun mit Spannung im Hinblick auf die Umsetzung anschauen werde.

Ich danke meiner Freundin Tina, dass sie mir von den Büchern erzählt hat und sie mir direkt in die Hand drückte. Auf diesem Wege auch noch einmal alles Liebe & gute Besserung!

5

Kauflink Tb: Verbrechen
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Leseprobe Verbrechen
Seiten: 208
Erscheinungsdatum: 1. Oktober 2010 (25. Auflage)
Verlag: Piper
ISBN: 978-3492259668 (8,99 € Taschenbuch)

Leseprobe Schuld
Seiten: 208
Erscheinungsdatum: 1. März 2012 (11. Auflage)
Verlag: Piper
ISBN: 978-3492273770 (8,99 € Taschenbuch)

zum Autor
Ferdinand von Schirach, geboren 1964, arbeitet als Strafverteidiger und Schriftsteller in Berlin. Seine Storybände »Verbrechen« und »Schuld« wurden, genau wie sein erster Roman »Der Fall Collini«, zu internationalen Bestsellern. In mehr als dreißig Ländern erschienen Übersetzungen. Schirach wurde mit dem Kleist-Preis und anderen – auch internationalen – Literaturpreisen ausgezeichnet. Zuletzt veröffentlichte er im September 2013 seinen Roman »Tabu«. In seinen Essays und Reden äußert er sich regelmäßig zu großen gesellschaftspolitischen Themen.